Eine Abrechnung mit dem juristischen Wortschatz für „Abrechnung“

Es wäre sicher zu viel verlangt, ein einheitliches Abrechnungssystem für Dolmetscher und Übersetzer bei den Berliner Gerichten einzuführen. Schließlich herrscht zwischen Amts-, Landes-, Kammer- und sonstigen Gerichten ein ähnliches Dünkelverhältnis wie zwischen Bund und Ländern oder Kommunen und Senat, und das ist scheinbar gut so.
Von der Rechnungsstellung bis zum Zahlungseingang vergehen auch schon mal mehr als sechs Monate, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.
Mich irritiert allerdings zunehmend, dass jeder, aber auch jede noch so kleine Auftritt bei der Jurisdiktion mit einem bürokratischen und besonders auch zeitlichen Aufwand verbunden ist, der in keinem Verhältnis zu der tatsächlich geleisteten Arbeit steht.

Beispiel: in Moabit dolmetscht man wahlweise im Straf- oder im Amtsgericht.
Danach muss man zwecks Einreichung seiner Abrechnung ins Hauptgebäude zur Kostenstelle für Dolmetscher und Sachverständiger.
So weit so gut, wäre da nicht das flughafenähnliche Prozedere am Einlass (Taschen auf, Messer und Schusswaffen raus, metal detector etc.), das man in aller Regel vor dem Gerichtstermin, der nicht selten nur eine halbe Stunde dauert, schon einmal durchlaufen hat.

Ok, wir haben gelernt: das Zimmer, wo der Dolmetscher sein Abrechnungsformular einreicht, heißt Kostenstelle.
Leider nur dort. Beim Sozialgericht auf der Invalidenstraße heißt es nämlich Festsetzungsstelle. Was ja an sich noch kein Problem wäre (obwohl es etwas nach Gewahrsam klingt) wenn irgendeine, auch nur irgendeine der dort angestellten Personen wüsste, dass es so heißt. Dann könnte man es auch finden, oder dem Pförtner sagen, was man sucht, damit der dann im Telefonverzeichnis nachsehen kann.

Bei den schriftlichen Abrechnungen ist es nicht viel besser.
Neulich bekam ich einen Brief von einem Berliner Gericht, in dem stand, ich solle meine Liquidation in zweifacher Ausfertigung einreichen. Liquidation? Mein Gott, ich werde liquidiert? Gleich doppelt (hält besser)?

Kurz davor einen anderen, in dem von mir ein schriftliches Empfangsbekenntnis gefordert wurde (klingt doch sehr katholisch, oder? ich bekenne, dass Maria, die Gottesmutter, ohne Erbsünde empfangen wurde…).

Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Klar macht mir mein Job Spaß! Aber er würde noch mehr Spaß machen, wenn dieses ganze Chaos durchschaubarer wäre. Soll mir bloß keiner kommen und behaupten, unsere Honorare wären zu hoch.

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Hier bin ich Mensch, hier schreib ich’s rein

Sascha Lobo erinnerte mich gerade durch einen Beitrag zu dem unsäglichen Schlecker-Slogan an etwas, worüber ich schon vor Jahren geschmunzelt und mich auch latent geärgert habe, lustiger- bzw. koninzidenziellerweise scheint es in Bosnien gerade tagesaktuell zu sein, wie ich folgendem Zitat entnehme:

“Slogan ‚Tu me cijene tu kupujem‘ je bio izuzetno prepoznatljiv kod naših kupaca, međutim, želimo se vratiti izvornom prijevodu originala ‚Hier bin ich Mensch Hier kauf ich ein‘ i zbog toga ćemo od 26.10.2011. u svim našim materijalima koristiti novi slogan ‚Tu sam čovjek tu kupujem‘. Kroz slogan želimo naglasiti da je svaki čovjek sam po sebi jedinstven, da ima svoje potrebe i da dm tom čovjeku onakvom kakav on stvarno jeste nudi pravi izbor. ‚Ja sam onakav kakav želim biti … i onakav kakav jesam u dm-u se osjećam dobrodošlim‘. To čini vezu između dm-a i kupca jačom i posebnom“, objasnila je Admira Isaković, voditeljica nabave i marketinga dm-a.
Quelle

Übersetzung von mir:

Der Slogan ‚Hier schätzen sie mich, hier kaufe ich ein‘ war außerordentlich wiedererkennbar für unsere Kunden, wir wollen jedoch zur ursprünglichen Übersetzung des Originals ‚Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein‘ zurückkehren, deshalb werden wir ab dem 26.10.2011 in allen unseren Materialien den neuen Slogan ‚Tu sam čovjek tu kupujem‘ [wörtliche Übersetzung des dt.] verwenden. Mit dem Slogan möchten wir betonen, dass jeder Mensch für sich einzigartig ist, seine eigenen Bedürfnisse hat und dass dm diesem Menschen so, wie er wirklich ist, die richtige Auswahl bietet. ‚Ich bin so, wie ich sein will… und so, wie ich bin, fühle ich mich bei dm willkommen‘. Das macht die Beziehung zwischen dm und dem Käufer stark und besonders“ erklärte Admira Isaković, Einkaufs- und Marketingleiterin von dm.

Zeit für ein bisschen Goethe, auch wenn der Osterspaziergang nicht gerade zur Jahreszeit passt:

Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

(Faust I)

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Zottelpferde

Auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse wagte ich noch gar nicht, davon zu träumen, dass mein Name einmal neben dem von Miloš Crnjanski auf der Titelseite eines Buches stehen wird. Nun ist es soweit – schon vor der Frankfurter Buchmesse gibt es einen Sonderdruck aus dem hoffentlich nächstes Jahr erscheinenden Roman „Bei den Hyperboräern“.

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Die Apostel der Halbmacht

Einem jeden minder gebildeten Menschen, besonders Migranten, sei es unbenommen, Fremdwörter oder schwierige juristische Begriffe falsch auszusprechen, und es liegt mir fern, mich darüber lustig zu machen.

Jedoch tauchen zwei Wörter im Rahmen von Urkundenübersetzungen immer wieder auf und lassen mich schmunzeln.

Zunächst die Apostille. Ich will mich hier gar nicht über die Unnötigkeit dieser sogenannten Überbeglaubigung (ja, das Wort gibt es tatsächlich, und das ist genau das, was es ist, nämlich die Beglaubigung, dass eine Unterschrift – z.B. auf einer Beglaubigung – echt ist). Hier geht es ausschließlich um die serbische Entsprechung apostil (kyr. апостил). Bisher hat es noch keiner meiner Kunden geschafft, das i in dem Wort unterzubringen. Alle, aber wirklich alle nennen das Ding apostol, was natürlich ‘Apostel’ bedeutet.

Noch viel lustiger ist es mit einem Wort, das noch nicht mal ein Fremdwort ist, wenngleich eine Lehnübersetzung: ‚Vollmacht‘ heißt auf SerBoKro punomoć, also wörtlich übersetzt „voll-Macht“. Aus mir bisher nicht erklärbaren Gründen nennt jedoch ein Großteil meiner Kundschaft das Ding polomoć, also wörtl. „Halbmacht“. Das geht teilweise so weit, dass sie das Dokument, auf das ich korrekt punomoć schreibe, korrigiert haben wollen in polomoć. Außer Vokalharmonie ist mir noch keine plausible Erklärung dafür eingefallen.

Möge die Halbmacht mit euch sein, Apostel!

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Funktioniert flattr?

Seit einiger Zeit versuche ich, einen optisch schönen und auch funktionierenden flattr-Button nicht nur in die Seitenleiste, sondern auch unterhalb der einzelnen Einträge zu positionieren. Gar nicht so einfach, das Ganze (ich bin zwar kein nerd, aber völlig IT-illiterate bin ich auch nicht). Mir geht es hierbei eigentlich gar nicht darum, Geld für mein Internetvollschreiben zu bekommen, schließlich bezahle ich für mein eigenen Internetleerlesen ja auch nur die DSL-Flatrate. Ich wollte einfach Teil der Community sein und eher symbolisch etwas auf eine andere Art und Weise „gefälltmiren“ (der Urheber dieses Wortes ist, glaube ich, Herr Lobo, Danke, weiter im Text), denn ich glaube, dass die kleine Zahl, die neben dem jeweiligen flattr-button steht, weitaus mehr zur Berühmtheit des jeweiligen Autors beiträgt als das bisschen Rotgeld, was da letztendlich rüberkommt. Ich selbst jedenfalls habe bestimmt schon einen dreistelligen Eurobetrag meiner Arbeitszeit investiert, mich mit der Einbindung des Buttons hier zu beschäftigen, rausbekommen habe ich nach Abzug aller Gebühren, glaube ich, ungefähr 0,14 cent.

Ein Freund von mir hat sich nun ein paar sehr interessante Gedanken zum Thema Social Payment gemacht und mir die Datei zur Verfügung und gefälligen Weiterverbreitung überlassen. Selbstverständlich könnt ihr diesen Beitrag auch flattrn, ich werde das vollkommen gebührenfrei in Form von Klimpergeld aus der Kaffeekasse oder Naturalien an den Urheber weiterleiten!

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Nicht in den Bockshornklee jagen lassen!

Ich stelle immer wieder fest, dass ich selbst für viele Pflanzen, die wir hier in Deutschland tagtäglich konsumieren, keine serbische/kroatische Entsprechung weiß, und dass es den meisten mehrsprachigen Menschen in meinem Umfeld ähnlich geht. Auch die balkanischen Medien wussten unlängst mit Bockshornkleesamen nicht viel anzufangen, man muss in der Tat mehr als vier Gugel-Schritte tätigen, um über den Umweg des Englischen (Fenugreek) zur Übersetzung zu gelangen. Wenn man ein bisschen wühlt, findet man nämlich für alles ein Wort, und meistens sind die Wörter auch richtig schön.
Daher habe ich mal mit einer Sammlung auf dem Balkan selten gegessener und folglich selten gelehrter botanischer Begriffe angefangen und freue mich über Ergänzungen.

Gemüse, Kräuter:

Fenchel – komorač
Grünkohl – hr. raštika, sr. raštan
Rosenkohl – hr. prokulica, sr. prokelj
Schwarzwurzel – zmijak
Beinwell – gavez
Schnittlauch – hr. vlasac, sr. (vojv.) šnitling
Bärlauch – hr. medvjeđi luk, sr. (vojv.) sremuš
Bockshornklee – hr. piskavica, pjeskavica, sr. peskavica (nicht zu verwechseln mit pLJeskavica)

Obst:

Rhabarber – rabarbara
Stachelbeeren – ogrozd

Nutzpflanzen, Getreide:

Dinkel – hr. pir, sr. krupnik
Buchweizen – heljda
Raps – uljana repica

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