Heiliger Hierony-Bimbam, schon zehn Jahre!

Heute ist also mal wieder der Tag des Hl. Hieronymus, Schutzpatron der Übersetzer, der übrigens ein entfernter Landsmann von mir war. Diesem wird international mittlerweile einige Aufmerksamkeit zuteil, da er auch als weltlicher internationaler Übersetzertag seinen Platz im Kalender gefunden hat (Preisfrage: Weiß jemand, ob es mehr “Internationale Tage des X” gibt als Heilige im Kanon?).
Jedenfalls nutze ich die Gelegenheit, um endlich mal wieder zu bloggen (wie ging das noch mal?) und auf ein weiteres kleines Jubiläum hinzuweisen: Heute vor exakt 10 Jahren habe ich mich selbstständig gemacht. Ich wäre dieses Datums gar nicht mehr gewahr, hätte mich nicht neulich jemand darauf angesprochen, woraufhin ich nachrechnend meinte: Mensch, das ist doch im September ziemlich genau zehn Jahre her. Und zum 30.09. habe ich meinen ersten Gründungszuschuss bekommen, also lässt sich dieses Datum mit Fug und Recht als Geburtsdatum meiner kleinen Ich-AG (damals hieß das noch so, dieses “solo-selbstständig” bringe ich einfach nicht über die Lippen, ich bin Freiberuflerin, Punkt) bestimmen.
Fakt ist, ich habe nie, auch nicht nur einen einzigen Tag, bereut, keine Festanstellung und keinen Chef mehr zu haben. Sicherlich habe ich bisweilen mit Neid auf Kollegen geblickt, die mit sorgloser Selbstverständlichkeit über Urlaub, Feiertage, Rentenversicherung und Krankengeld verfügen. Oft habe ich auch den Papierkram zum Teufel gewünscht und mir eine Firma erträumt, in der ausgebildete Sekretärinnen und Buchhalter einem so etwas abnehmen. Aber an sich überwiegen die Vorteile des selbstbestimmten Arbeitslebens doch bei weitem.
Begonnen hat alles Anfang 2006 bei einer Beratungsrunde für promovierte Akademiker in Köln. Damals hat man uns auf Gedeih und Verderb versucht, die Ich-AG schmackhaft zu machen, mit völlig abstrusen Vorschlägen für Businesspläne und Geschäftsideen. Ich wäre von selbst wahrscheinlich gar nicht auf die Idee gekommen, dass ich ja quasi schon über eine Schlüsselqualifikation für einen der sog. freien Berufe verfügte. Mein Linguistikstudium hatte mir sozusagen ein paar knorrige Eichen in den Weg gestellt, so dass ich die Baumschule, die ich schon zwischen Kindergarten und Abitur fürsorglich herangezüchtet hatte, gar nicht mehr sah. Allerdings musste ich dann für die staatliche Übersetzerprüfung fast mehr Bürokratie und Prüfungen bewältigen als für die gesamte Promotion. In der Zwischenzeit hatten mir hauptsächlich Blogger geholfen, verschiedene Lektorats- und Unterrichtsaufträge zu bekommen, mit denen ich mich im ersten Jahr über Wasser halten konnte. 2007 war es dann endlich soweit und ich hatte tatsächlich auch eine Berufsbezeichnung (wenn man mal davon ausgeht, dass Sprachwissenschaftlerin im Allgemeinen entweder die Frage “welche Sprachen denn genau?” oder völlig verständnislose Gesichter hervorruft).
Nun bin ich also Übersetzerin. Und darf heute dem Heiligen Hieronymus huldigen. In diesem Sinne: Prost.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Übersetzungsfragen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Heiliger Hierony-Bimbam, schon zehn Jahre!

  1. schneck schreibt:

    Glückwunsch zu 10 Jahren Selbstständigkeit. Ganz herzlich, S.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s