Geschäftsidee: Ehegatten-Coaching

Erst einmal: Huch, ich habe diesen Sonnenuntergang hier nie eingefügt. Keine Ahnung, wie der da hinkommt. Wenn ich irgendetwas hasse, ist es, mich mit unnützen Hintergrundbildern und deren Einfügen und Wiederabschalten rumschlagen zu müssen. Nun gut, das sollte hier gerade nicht Thema sein.

Das Thema ist etwas, wofür mir kein so richtiges Schlagwort einfällt. Seit ca. 15 Jahren gebe ich Fremdsprachenunterricht für Erwachsene in Deutschland, und bis auf ein paar Ausnahmen (Irischkurse, Altgriechisch-Nachhilfe), waren das immer BosKroSerb-Kurse.
Leider habe ich keine Statistik geführt, aber ich kann mit einiger Sicherheit behaupten, dass mindestens 50 Prozent meiner Kundschaft Ehepartner von „Jugos“ sind. Also Leute, die die Sprache ihres in Deutschland lebenden Partners lernen wollen, um sich zum Beipsiel besser mit den Schwiegereltern unterhalten zu können. Gefolgt wird diese Zielgruppe von denjenigen, denen ihre eigenen Eltern die Sprache nicht beigebracht haben (und das sind gar nicht so wenige, besonders in meiner Generation, was auf ein vollkommen schwachsinniges Ammenmärchen vom gestörten Spracherwerb bei bilingualen Kindern zurückgeht – genau das Gegenteil ist der Fall: zweisprachig erzogene Kinder haben grundsätzlich eine viel höhere Sprachkompetenz). Dann kommen solche, die „da unten“ (klingt unanständig und ich verwende es auch nicht gerne, außer – wie hier – ironisch) ein Praktikum, Auslandssemester oder einen sonstwie gearteten beruflichen Einsatz vor sich haben (zu Beginn meines Berufslebens waren das mal Soldaten, das ist aber so lange her, dass es mir wie ein früheres Leben vorkommt). Und, last not least, meine erklärte Lieblingszielgruppe: Leute, die den Balkan einfach nur so toll finden und die Sprache lernen wollen, weil sie der Kultur ein Stückchen näher kommen wollen.

Was mich seit vielen Jahren beschäftigt, ist die Gruppe Eins unter den oben genannten. Gar nicht so selten bekommt man als Lehrer in den 90 Minuten, die man diese Schüler wöchentlich sieht, den gesammelten Frust der übrigen 166,5 Stunden, in denen der Lebensgefährte theoretisch mit ihnen die Sprache sprechen und üben könnte, um die Ohren gehauen. Wie oft habe ich schon so Sätze gehört wie „Der/die lacht immer über mich“ oder „die sprechen alle so schnell, wenn sie unter sich sind“ oder „die können ja eh alle Deutsch“. Erfolgserlebnisse wie „heute habe ich meinem Mann einen Witz auf Kroatisch erzählt“ oder „wir reden jetzt sonntags beim Frühstück immer Serbisch“ sind da eine ganz, ganz seltene Ausnahme, wenn nicht gar inexistent.

Eine interessante Beobachtung ist auch, dass Frauen in aller Regel schon zu Beginn einer Beziehung anfangen, die Sprache des Anderen zu lernen, wogegen Männer das eigentlich erst tun, wenn Nachwuchs unterwegs bzw. in der Phase des Erstspracherwerbs ist (sofern die Mutter BosKroSerb mit dem Kind redet, was aber heute gottseidank meistens der Fall ist). Auch darüber könnte man sicher Studien anfertigen.

Deshalb würde ich diese ganzen Partner eigentlich gerne mal zusammentrommeln, um ihnen klarzumachen, wie sehr sie uns Lehrkräften die Arbeit erleichtern könnten, wenn sie die zarten Pflänzchen des Fremdspracherwerbs gießen und düngen würden, statt auf ihnen herumzutrampeln oder sie vertrocknen zu lassen. Am liebsten würde ich sogar einen Ratgeber schreiben. Vielleicht gibt es so was ja sogar schon.

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Dieser Beitrag wurde unter Bosnisches, Kroatisches, Serbisches, Sprachunterricht veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Geschäftsidee: Ehegatten-Coaching

  1. Jenny schreibt:

    Whoa, das hätte ich ja nie gedacht, dass die Partner da so wenig unterstützend sind! Und ja, schreib mal n Buch. Ich würd’s kaufen. 🙂

  2. veselinovic schreibt:

    Mach ich! Ich habe auch schon einen catchy title: „Die Rolle des Partners in der Sprachlernphase des Nichtbalkaners“ 😉

  3. veselinovic schreibt:

    Oder vielleicht doch „Die Rolle der Arbeit des Partners in der Wieder-Menschwerdung des Deutschen“?

  4. Jenny schreibt:

    Oooh, ich persönlich mag ja den vierfachen Genitiv in der 2. Variante. Erinnert mich linguistisch und epochal gesehen an zu Hause: Der Vorsitzende des Rates des Kreises der Stadt Potsdam. 😉

  5. Jenny schreibt:

    Huh, *drei*facher Genitiv. Naja. Trotzdem schön.

    • veselinovic schreibt:

      Hier ist Ich kann Balkan, hier darfst du übertreiben, bis es kracht (ich hätte das jetzt mündlich als fünffach zitiert und Bastian Sick für entbehrlich erklärt).

      • Jenny schreibt:

        Awww! Mich trösten und Bastian Sick dissen in einem Satz – der Tag kann nicht mehr besser werden.

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