Tag 3 – Dein Lieblingsbuch

So, jetzt soll es endlich weitergehen mit dem Bücherstöckchen. Vielleicht habe ich den Tag 3 auch nur so lange vor mir hergeschoben, weil ich mich für kein Lieblingsbuch entscheiden kann. Ich hatte in jeder Lebensphase ein anderes Lieblingsbuch, aber an einem hat sich jahrzehntelang nichts geändert: Mein Lieblingsbuch war immer Der Graf von Monte Christo von Alexandre Dumas père. Und, nein, bevor jemand nachfragt, in meiner (jugoslawischen) Kindheit gab es keine Verfilmung mit Richard Chamberlain (den hab ich erst als Dornenvögel-Bischof wahrgenommen, und das ist er für mich auch immer geblieben), sondern nur ein völlig zerlesenes vergilbtes Exemplar in der Erwachsenenbibliothek, für die ich mir immer heimlich den Ausweis meines Stiefvaters gemopst habe, denn in der Kinderbibliothek in Novi Sad gab es von Dumas nur Die drei Musketiere und kurioserweise Die Kameliendame des gleichnamigen Sohnes (wahrscheinlich konnten die schnurrbärtigen Bibliothekarinnen selber nicht lesen und haben sie deshalb unter Kinderbücher einsortiert). Jedenfalls blieb der Graf immer mein all time favourite. Bis, ja bis ich das Remake in die Finger bekam:
The Stars‘ Tennis Balls von Stephen Fry.

Ich war mir erst gar nicht so sicher, ob das überhaupt geht, diesen Altmeister aller Racheromane (heißt das Racheroman? klingt so komisch) in die Neuzeit zu übertragen. Verliese, Burgen, Schatzinseln… das gehört doch alles in eine längst vergangene Zeit. So habe ich mich dann einige Zeit absichtlich geweigert, das Buch zu lesen, obwohl ich schon längst ein großer Fan von Stephen Fry war (Peter’s Friends ist z.B einer meiner absoluten Lieblingsfilme, aber das ist ja hier kein Filmstöckchen).

Als ich dann irgendwie mitbekam, dass der Irlandkonflikt und Psychiatrie (beides Themen, mit denen ich mich intensiv auseinandersetze) darin thematisiert werden, musste ich es einfach haben, und ich hab es auch in ein-zwei Nächten verschlungen. Schon diese genialen Anagramme. Ich liebe Anagramme, seit ich lesen kann (erwähnte ich, dass ich mit ca. 5 Jahren Timm Thaler von James Krüss gelesen habe und TOTAL stolz war, als ich kapiert hatte, dass Lefuet rückwärts gelesen… nun ja). Jedenfalls ist es clever, aus Edmont Dantes Ned Maddstone zu machen und aus Abbé Babe, aber das ist längst nicht alles, das Buch und seine Protagonisten sind mindestens genau so spannend wie die Vorlage. Klar ist Rache in der Realität kein erstrebenswertes Handlungsmotiv, aber hey, um so mehr sollte man sich in der Literatur daran ergötzen dürfen. Ich jedenfalls liebe beide Bücher und bin froh, dass es auf diese Art und Weise schon zwei Lieblingsbücher sind.

Ansonsten hätte ich hier – je nach Lebensphase – natürlich auch über den Puderbär oder Oblomow oder Small World oder was weiß ich schreiben können, aber das Stöckchen ist ja noch laaaaang.

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3 Antworten zu Tag 3 – Dein Lieblingsbuch

  1. Für mich verkörpert „le gros“ (Gérard Depardieu) den Grafen von Monte Christo :-).

  2. veselinovic schreibt:

    Oh Gott, ausgerechnet der! Der ist für mich Cyrano de B. oder bestenfalls noch Porthos, aber der Graf, der muss doch schlank und gutaussehend sein!

    • „Verkörpert“ meinte ich eben ganz wörtlich ;-). G. P. hat den richtigen Resonanzkörper für unstillbaren Rachedurst – ein Pavarotti der Rache. Einem Brad Pitt oder Konsorten würde ich die Rolle gar nicht abkaufen.

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