Von der schleichenden Gefahr des Dschournalismus

Am Anfang waren sie Außenseiter. Ich nahm sie zunächst im Serbischunterricht wahr. Ganz vereinzelt konnten Schüler das anlautende stimmhafte ž einfach nicht aussprechen, sagten also konsequent „džena“ statt „žena“. Meine Standardtherapie lautete „sag mal Garage“. Das kann jeder. Und dann „und nun sag mal Jaques“, daran anschließend die Frage, ob einem jeden der Unterschied zwischen franz. Jaques und engl. Jack klar sei. Fortan klappte es meistens mit der Aussprache. Und ich bin kein Unmensch, ich verlange nicht von Schülern, dass sie den Unterschied zwischen und đ oder č und ć beherrschen, da der auch in der Standardsprache von Zagreb oder Sarajevo nicht gemacht wird. Aber das Phonem [Ʒ] existiert nun mal im Deutschen, zwar nur in französischen Lehnwörtern, aber immerhin.

Dann stellte ich zu meinem großen Erstaunen fest, dass es auch außerhalb des Serbischunterrichts Leute gibt, denen der Anlaut von Journal oder Jury Probleme bereitet. Sogar in Funk und Fernsehen. Auch die waren bis vor ein paar Jahren noch in der Minderheit. Aber mittlerweile sagen sogar Leute, die diesen Beruf ausüben, sie seien DSCHournalisten. Wahrscheinlich sogar dieselben, die jeans ohne rot zu werden [Ʒi:ns] aussprechen. Was jedoch dem Fass den Boden ausschlägt, ist der Vormarsch des ReGisseurs mit [g]. Was kommt dann als nächstes? Garage mit G? Bei mir in der DDR-Grundschule gab es einen Roger, der auch mit G ausgesprochen werden wollte. Einzelfälle, meinetwegen.

Aber der stimmhafte postalveolare Frikativ ist einfach so ein schöner Laut, unter anderem er ist es, der das Französische so schön klingen lässt. Lassen wir ihn weiterleben!


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11 Antworten zu Von der schleichenden Gefahr des Dschournalismus

  1. isabo schreibt:

    Na sowas! Deutsche Rogers spricht man doch immer [g], dachte ich. Also, alle, die ich kenne. Und das ist außer Roger Willemsen immerhin noch einer.

  2. Gaga Nielsen schreibt:

    Soweit ich es überblicke, hasst du kein Beispiel vergessen.
    Ich staune seit einem Vierteljahrhundert darüber, dass ausgerechnet die phonetische Vergewaltigung einer Berufsbezeichnung der schreibenden Zunft medial gesellschaftsfähig zu sein scheint. Allerdings wird das wahrscheinlich in Sendeformaten goutiert, deren Redakteure sich selbst als Dschournalisten verstehen. Aua aua.

    • veselinovic schreibt:

      Liebste Gaga, schön, dass du auch hierher gefunden hast. Darf ich bitte noch mal ausdrücklich auf die von mir gegründete Facebook-Seite http://www.facebook.com/stimmhaft.postalveolar hinweisen? Man muss etwas tun!

      • Gaga Nielsen schreibt:

        ich benutze Facebook nur noch sekundenweise um einen jeweils aktuellen link zum letzten Blogeintrag zu machen und bin wieder weg. Ich bin da nicht (mehr) lesend aktiv und kriege insofern nicht mit, worauf hingewiesen wird usw. Verstehst du? Das hat sehr private Gründe, auf die ich nicht näher eingehen will. Entschuldige bitte meine fb-Abstinenz/Ignoranz. Ist nicht arrogant gemeint oder so.

      • Gaga Nielsen schreibt:

        P.S. hab gerade mal anstandshalber auf deinen Link geguckt und finde das sehr würdevoll und anerkennenswert und spreche dir meine Hochachtung und mein Kompliment aus. Ich finde du hast dafür einen hochdotierten Preis der schreibenden Zunft verdient. Du darfst das gerne in deiner Laudatio erwähnen, wenn er dir dann überreicht wird. Aber ich kann leider nicht auf ‚like‘ oder Mitglied werden klicken, dann komme ich in das Fegefeuer.

    • Gaga Nielsen schreibt:

      jetzt sehe ich erst meinen Tippfehler! HASST du….!!! Diese WordPress Blogs mit ihrer nicht vorhandenen Editier-Funktion! Bei Isa muss man jetzt auch immer total aufpassen. Ihr Übersetzerinnen mit den Argusaugen, ihr! Am besten man schreibt den Kommentar erst mal ins Unreine auf karierten Blog äh Block und dann schön sauber mit Schönschrift unter eure Blogeinträge. Ich weiß, dass ihr nichts dafür könnt. Komisch eigentlich, dass das kein Standard ist, mit der Editierfunktion.

  3. Christiane schreibt:

    Probleme mit der Aussprache dieses Lauts hat „man“ (Ausnahmen bestätigen die Regel) meines Wissens doch nur in Süddeutschland. Das war aber schon immer so. (Ausnahmen usw.)

    • veselinovic schreibt:

      Hm, ich höre aber auch bei gebürtigen Kölnern und Berlinern immer öfter vom Dschournalismus.

      • Gaga Nielsen schreibt:

        kannickbestätjen. (Kölner und Berliner, gerne auch gebürtige)
        Von bayrischen Eingeborenen habe ich das so gar nicht im Ohr. Kann aber auch daran liegen, dass ich die so selten über Dschournalisten reden höre. Bzw. überhaupt selten über irgend etwas reden höre. (Räumlicher Distanz geschuldet).

        So nun reicht es aber mit Kommentaren von mir unter diesem Strang! Das ist ja schon penetrant. Auf bald unter einem anderen Eintrag! 😉

  4. Das sind ja auch Sprachinseln ganz eigener Art 🙂 Vive la différence!

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